Ahmed al-Raisi: Trotz Foltervorwürfen – General aus Emiraten neuer Interpol-Chef

Ahmed al-Raisi
Trotz Foltervorwürfen – General aus Emiraten neuer Interpol-Chef

Ein Mann mit Anzug und Mund-Nasen-Schutz telefoniert

War bei Interpol bislang für Asien zuständig: Ahmed al-Raisi

© Francisco Seco/ dpa-infocom GmbH

Interpol soll weltweit Kriminalität bekämpfen. Nun aber steht an der Spitze ein Mann, gegen den Foltervorwürfe erhoben werden. Steckt die Finanznot der Organisation dahinter?

Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat einen Generalmajor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zum neuen Präsidenten gewählt – obwohl es Foltervorwürfe gegen ihn gibt. Der Generalinspekteur im dortigen Innenministerium, Ahmed al-Raisi, tritt die Nachfolge von Meng Hongwei aus China an. Bei einer Vollversammlung der 195 Interpol-Mitgliedsstaaten in Istanbul bekam er am Donnerstag die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Seine Amtszeit dauert vier Jahre. Von Menschenrechtlern kam Kritik.

Fünf Staaten erheben Foltervorwürfe gegen Al-Raisi

Aus deren Sicht steht Al-Raisi für einen aggressiven Sicherheitsapparat, in dem Menschen mit kritischer Haltung gegenüber der Regierung willkürlich festgenommen oder gar gefoltert werden. In mindestens fünf Ländern wurden in Zusammenhang mit Foltervorwürfen Klagen gegen ihn eingereicht. Die Menschenrechtsgruppe Mena schrieb auf Twitter: “Die internationale Polizeiorganisation wird jetzt von einem autokratischen Regime vertreten, das Kritik als Terrorismus betrachtet und das Andersdenkende abhört, festnimmt und foltert.”

In einem Fall klagt der britische Politikwissenschaftler Matthew Hedges, der 2018 für Recherchen in die Emirate reiste. Auf der Rückreise nahmen ihn Sicherheitskräfte am Flughafen vorübergehend unter dem Vorwurf fest, er sei ein britischer Spion. “Ich wurde gefoltert. Ich wurde gezwungen, Arznei- und Beruhigungsmittel zu nehmen.”

Al-Raisi hat in Großbritannien und den USA studiert. Bei Interpol war er bislang für Asien zuständig. Wie die Polizeiorganisation mitteilte, kam er in einem dritten Wahlgang auf 68,9 Prozent der Stimmen. In den ersten beiden Durchgängen hatten weder er noch seine einzige Gegenkandidatin, die Tschechin Sarka Havrankova, eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht. Havrankova ist Vizepräsidentin im Exekutivkomitee der Organisation.

Interpol bekommt viel Geld aus den Emiraten

Interpol zufolge kommt dem Präsidenten vor allem die Aufgabe zu, der Generalversammlung und drei Sitzungen des Exekutivausschusses pro Jahr vorzusitzen. Der Präsident bleibe aber in Vollzeit auf dem Posten in seinem Heimatland. Generalsekretär von Interpol ist seit 2014 Jürgen Stock, ein ehemaliger Vizepräsident des Bundeskriminalamtes.

Die Emirate hatten schon 2015 mit Spenden an Interpol im großen Stil begonnen und die Frage aufgeworfen, ob das Land sich damit Einfluss erkaufen wolle. Die Organisation mit Sitz in Lyon lebt von den Beiträgen der 195 Mitgliedsstaaten. Der Anteil der Emirate macht 0,425 Prozent des Budgets aus – rund 243.000 Euro im Jahr 2019.

Da die Summe nicht ausreicht, ruft Interpol regelmäßig zu Beiträgen auf. So verpflichteten sich die Emirate 2016, über fünf Jahre 50 Millionen Euro zu zahlen, also den jährlichen Beitrag von rund 100 Staaten. Damit ist das Land nach den USA der zweitgrößte Beitragszahler.

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Sehen Sie im Video: Eine Welle von Einbrüchen in Luxusgeschäfte erschüttert kurz vor Weihnachten die USA. Nach Angaben der örtlichen Polizei raubten allein vor einigen Tagen etwa 80 Personen ein Nordstrom-Kaufhaus in Walnut Creek aus.

anb
dpa

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